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Der gekaufte Zeuge
Den Brief, den Mike heute Morgen im Briefkasten fand, hatte er schon lange erwartet, wie er auf der Absenderkennung erkennen konnte. Es war seine Gerichtsvorladung, wo er als Zeuge aussagen sollte. Diese Gerichtsverhandlung war gegen sein Bekannten, der des schweren Raubes angeklagt war. Bereits vor Jahren war Mike schon mal als Zeuge in einer Gerichtsverhandlung für seinen Bekannten aufgetreten, wo es damals aber nur um einen kleinen Diebstahl ging, denn sein Bekannter war schon frühzeitig auf die schiefe Bahn gekommen, aber Mike war auch nicht immer auf dem legalen Weg geblieben. In seiner Polizeiakte standen auch schon einige Delikte, die aber nie zu einer wirklichen Verurteilung geführt hatten. Einmal wurde er erwischt, weil er auf der Flucht nur nach oben rennen konnte und auf dem Dach eines Einkaufszentrum landete. Da er aber neben seiner Höhenangst auch Platzangst hatte , traute er sich nicht über das kleine Vordach zu klettern, wo es eine kleine Dachkammer gab, in der er hätte sich verstecken können und von wo er dann hätte verschwinden können. Dies brachte ihn eine sechsmonatige Bewährungsstrafe ein.
Jetzt hielt sich Mike mit kleinen Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Mike sollte diesmal als falscher Zeuge in der Gerichtsverhandlung aussagen und seinem Bekannten ein falsches Alibi geben. Als gekaufter Zeuge war das für Mike das erste mal, aber er hatte sich gut vorbereitet und alles genau mit seinem Bekannten abgesprochen. Sie hatten vereinbart, dass sie zur fraglichen Zeit zusammen gewesen waren. Bis in jede Kleinigkeit hatten sie alles besprochen, so dass bei der Gerichtsverhandlung nichts schief gehen konnte.
Mike ging frohen Mutes zum Gericht. Vor dem Gerichtsgebäude schaute er sich noch mal um und überlegte seine Zeugenaussage. Das Gerichtsgebäude hatte viele Stockwerke. Bedingt durch den Außenfahrstuhl, den Mike wegen seiner Höhenangst nicht benutzen wollte, musste er bis in den achten Stock die Treppe benutzen. Etwas außer Atem kam er endlich oben an und setzte sich auf einen Stuhl vor dem Verhandlungssaal, in dem sein Bekannter die Gerichtsverhandlung hatte. So nach und nach wurden die anderen Zeugen aufgerufen und die Zeit verging. Nun schallte sein Name durch den Gerichtslautsprecher und Mike ging sicheren Schrittes in den Verhandlungssaal. Der Angeklagte, sein Bekannter, saß neben seinem Verteidiger und ihm gegenüber der Richter und der anklagende Staatsanwalt. Mike wurde aufgefordert, auf dem Stuhl in der Mitte Platz zu nehmen. Nun wurden seine Personalien von dem Richter abgefragt.
Nun fing der Staatsanwalt an auf Mike einzureden, hier bei der Wahrheit zu bleiben und wies ausdrücklich auf seine Zeugenpflicht hin, hier nicht zu lügen. Mike hatte mit seinem Bekannten ausgemacht, dass sie zusammen in einem Restaurant essen waren, welches sich auf der Dachterrasse inmitten der Stadt befand. Aufmerksam hörte sich der Richter und der Staatsanwalt seine Geschichte an und zu seiner Verwunderung schienen sie es zu schlucken, denn sie stellten keinen weiteren Fragen. Mike nahm auf der Zeugenbank Platz und hörte, wie ein weiterer Zeuge aufgerufen wurde. Erst kamen wieder die Personalien. Dieser Zeuge war ein Bauarbeiter, der Treppen reparierte und genau dort arbeitete, wo Mike mit seinem Bekannten zum essen gewesen sein wollte. Der Staatsanwalt wollte wohl das Alibi erschüttern, aber wie sollte der Bauarbeiter denn die ganzen Gäste gesehen haben können.
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